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Alles anders, alles besser?Duinoord, Bartimeus, Zorgbalance – das sind keine Zungenbrecher, sondern drei der vielen Einrichtungen, die die angehenden SozialbetreuerInnen des Caritas Bildungszentrum im Rahmen ihrer Projektwoche in den Niederlanden besucht haben. Ob die Niederlande wirklich diesen Riesenvorsprung in Sachen Inklusion behinderter Menschen haben, was Case Management ist und wie mit Sexualität umgegangen wird, das liest du hier…
Foto: Die BAA 2 des Caritas Bildungszentrums ist eine sogenannte gemischte Klasse – SozialbetreuerInnen mit Schwerpunk Behindertenbegleitung bzw. Altenarbeit. Im Frühling haben sie sich mit ihrem Klassenvorstand Magdalena Rittler auf eine fact finding mission begeben mit dem Auftrag: Alten- und Behindertenarbeit in den Niederlanden. Alten- und Behindertenarbeit in den NiederlandenEinzigartig an Duinoord ist, dass dort Menschen mit geistigen bzw. mehrfachen Behinderungen sogenannte Probewohnungen angeboten werden. Gemeinsam mit ihren PartnerInnen können sie in geschütztem Rahmen ausprobieren, wie es wäre eine Familie zu sein. Paaren mit Kinderwunsch werden in einem ersten Schritt ihre Grenzen aufgezeigt. Um den potentiellen Eltern realistisch vor Augen zu führen, ob sie in der Läge wären ein Baby großzuziehen wird eine Babypuppe zur Verfügung gestellt. Sie macht alles das, was ein echtes Baby auch macht - sie schreit, wenn sie Hunger hat oder gewickelt werden möchte, muss gebadet und gefüttert werden und gehört liebevoll umsorgt. Ebenso auffallend anders ist der offene Umgang mit Sexualität. Aufklärung durch Filme und Bücher bzw. über Missbrauch stehen ebenso auf der Tagesordnung wie der mögliche Besuch durch spezielle Prostituierte. Um Betriebsblindheit erst gar nicht aufkommen zu lassen, werden innerhalb der Organisation alle 5 Jahre die Arbeitsplätze gewechselt. Das Konzept dahinter lässt sich mit genau fünf Worten zusammenfassen: „Der Mensch steht im Mittelpunkt.“ „Offenheit, Kreativität und Flexibilität – dass diese Eigenschaften wichtig für unsere Berufe sind, das wurde uns beim Besuch von ‚Bartimeus’ klar“, brachte es eine der Teilnehmerin im Rahmen des Vortrages im Caritas Bildungszentrum auf den Punkt. Diese Einrichtung, die außerhalb von Amsterdam mitten im Wald liegt, ermöglicht es den hauptsächlich taub-blinden KlientInnen auf einem großen Gelände zu Arbeiten und die Schule zu besuchen. Gewohnt wird in 5 kleineren und 3 größeren Wohngruppen. Ein multidisziplinäres Team, das neben ÄrztInnen, TherapeutInnen u.a. auch aus Angehörigen besteht, steht bei Bedarf zur Seite. Größtmögliche Entscheidungsfreiheit und die individuellen Bedürfnisse zu garantieren sind zwei zentrale Anliegen im ‚Bartimeus’. Realität ist aber auch, dass zwar generell viel von Inklusion die Rede ist, aber nicht wirklich viel zu sehen. Die Frage, ob es wirklich möglich ist, jeden Menschen zu inkludieren wurde ebenso kontrovers diskutiert wie die darauf aufbauende, ob dann Menschen mit Behinderungen auch selbst entscheiden dürfen, ob sie die in Holland unter bestimmten Kriterien erlaubte aktive Sterbehilfe in Anspruch nehmen. Wie ‚Case Management’ funktioniert, das erfuhren die TeilnehmerInnen in Zorgbalance, einer Rieseneinrichtung mit rund 3500 MitarbeiterInnen, die im Pflegebereich tätig ist. Case Manager, ist ein aus den USA stammendes junges Berufsbild im Gesundheitswesen. Was auf Deutsch nüchtern ‚Fallmanagement’ heißt, bezeichnet jede Art von Ablaufschema organisierter bedarfsgerechter Hilfestellung im Sozialbereich. Sinn und Zweck ist es die ganzheitliche Betreuung der PatientInnen sicherzustellen, sowohl in medizinischer als auch in sozialer Hinsicht. So werden rund 80 % aller älterer Menschen in den Niederlanden zu Hause ambulant betreut, denn durch ein gut durchdachtes Case Management können die Leistungen des Krankenhauses bzw. eines Heimes auch zu Hause angeboten werden. Neben der Aufklärung über die Krankheit und ihre Begleiterscheinungen, stehen Case ManagerInnen Angehörigen zur Seite, stärken die PatientInnen in Richtung Eigenständigkeit und organisieren die gewünschte Betreuung. Sie besprechen sämtliche Pläne mit den PatientInnen, koordinieren ArztInnen, Apotheke und Angehörige, Freiwillige und ausgebildetes ambulantes Pflegepersonal, prüfen ob die erwünschte bzw. notwendige Pflege zu Hause noch möglich ist, ob die Abende, Nächte bzw. die Wochenenden geregelt sind und sorgen für regelmäßige Besuche durch den Hausarzt oder die Hausärztin. Ebenso werden die bauliche Infrastruktur und die sozialen Umstände unter die Lupe genommen. Das Fazit der TeilnehmerInnen: Vom holländischen Case Management kann man sich sowohl im Hinblick auf ambulante Betreuung als auch in der Begleitung behinderter Menschen einiges abschauen. So ist auch das landesweite Demenzprojekt nach demselben Muster gestrickt. Ein Team von 22 Case ManagerInnen begleitet rund 1000 PatientInnen ambulant. |
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